Konzerttermine

Mit der Kirchen- und Orgelführung am 8. Oktober im Rahmen der Klostertage Bodensee sind die Veranstaltungen des Kulturkreises Eschach e.V. für dieses Jahr beendet. Wir bedanken uns bei allen, die unsere Veranstaltungen besucht haben. Im März wird das Veranstaltungsprogramm für das Jahr 2023 vorliegen. Bitte besuchen Sie unsere Website.

Die Rezensionen über die Orgelkonzerte werden noch einige Wochen hier zu lesen sein.

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Orgelkonzerte bei Kerzenschein 2022

auf der historischen Orgel von Johann Nepomuk Holzhey (1787)

Freitags, 20.30 Uhr

 

Freitag, 9. September 2022, 20.30 Uhr

Helmut Binder, Bregenz

 

Das Konzert am Freitagabend war ein wundervoller Auftakt der diesjährigen Orgelkonzerte. Der Organist ist ein Klangästhet und verfügt über eine atemberaubend sichere Technik. Die Stücke waren anrührend und erst ganz am Schluss erbrauste die Orgel im vollen Werk. Während des Rezitals zog ein Gewitter über die Kirche und die Blitze ließen den Raum immer wieder gleißend aufleuchten. Die Dramatik lieferte also die Natur von selbst. Nach intensivem Beifall improvisierte Helmut Binder über Brahms Schlaflied "Guten Abend, gute Nacht", nur mit drei Schwebungen und der Quintade in den Raum gezaubert. Die zahlreichen Zuhörer waren von Binders Improvisationskunst begeistert. Und das Gewitter war weitergezogen.  

 

 

 

Freitag, 16. September 2022, 20.30 Uhr

Andreas Jetter, Chur

 

Beim zweiten Konzert erklangen Stücke, die man als „Programmmusik“ bezeichnen könnte, da sie Geschichten erzählen und der Holzhey-Orgel auf den Leib geschrieben schienen. Andreas Jetter hat bei seiner geschickten Werkauswahl die wunderbaren Klangfarben des Instruments aufleuchten lassen und mit einer brillanten Technik dargeboten. Diese zeigte sich vor allem in Bachs Trio über „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“, das auf den historisch-süddeutschen Pedaltastenmaßen höchste Wendigkeit und Aufmerksamkeit erfordert. Und bei den romantischen Stücken gab es auch Experimentelles zu hören. Beim „Jüngsten Gericht“, dramatisch in Tonsprache gesetzt von Sigismond Neukomm, wurden mit halb gezogenen Registern oder doppelten Pedaltönen völlig neue Klangwelten erschlossen. Nach großem Beifall gab es als Zugabe „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ von Johann Sebastian Bach zu hören, den Cantus firmus nur zart mit der „Vox humana“ angedeutet. Eine fabelhafte Idee von Andreas Jetter, der trotz Gewitterszenen und Endzeitstimmung einen äußerst vergnüglichen Orgelabend präsentierte.           

 

Eine Rezension des Orgelkonzerts von Babette Caesar ist Online bei der "Schwäbischen Zeitung" erschienen:

 

Wenn sich alljährlich die Türen zu den internationalen "Orgelkonzerten bei Kerzenschein"

auf der historischen Holzhey-Orgel öffnen, die Strahler und die Deckenbeleuchtung ausgehen, herrscht in der Klosterkirche Weißenau eine außergewöhnliche Atmosphäre. Am Freitagabend bestritt - nach Helmut Binder aus Bregenz - Andreas Jetter, Dommuiskdirektor an der Kathedrale von Chur, das zweite Orgelkonzert mit einem erlesenen Programm als Hommage an den Erbauer der Orgel Johann Nepomuk Holzhey.

Die Orgelkonzerte bei Kerzenschein zeichnen sich seit vielen Jahren genau dadurch aus, dass sie für gut eine Stunde Spieldauer bis auf den Chorraum das elektirsche Licht ausschalten. Dafür auf den Bänken im Kirchenschiff jeweils zwei Kerzen anzünden, die den Besucherinnen und Besuchern eine warme und zugleich auf ihr Wesentliches reduzierte Atmosphäre vermitteln. Nach und nach füllten sich die Bänke in einer sehr friedvollen, ruhigen und offenen Umgebung. Gelegentlich noch klingelnde Handys wurden schließlich stillgelegt. Leises Gemurmel drang noch durch, bis auch das verstummte. "Eine wunderbare Stunde der Orgelmusik" kündigte Ulrich Höflacher vom Kulturkreis Eschach e.V. an und hatte nicht zu viel versprochen. Licht aus, Orgel an mit Claude-Bénigne Balbastres viersätzigem "Concerto pour orgues seul" zum Auftakt, das in seiner kompakten Klangfülle umgehend klar machte, dass dieser Abend der sogenannten Programmmusik gewidmet ist. Im Gespräch mit Andreas Jetter vor Konzertbeginn erläuterte er, dass er die Stücke ganz nach dem Geschmack von Holzhey ausgewählt habe. Selbiger war Schüler von Karl Riepp in Ottobeuren und gehörte zusammen mit Joseph Gabler zu den bedeutendsten Orgelbauern des süddeutschen Barock. Riepp hatte in Oberschwaben Elemente der französischen Orgel der Klassik eingeführt und Holzhey war es, der diese in den überkommenen oberschwäbischen Orgeltypus integrierte. Der französische Komponist Balbastre habe seinerseits in Dijon auf einer Riepp-Orgel gespielt. So ergeben sich Verbindungen, die sich in Balbastres Concerto nachempfinden ließen. Folgte der eingangs "radikalen französischen Art" doch der Übergang in Verspieltes und Dialogisches der verschiedenen Stimmen, die dem tänzerisch Barocken verhaftet sind. Auf diesem Prinzip der kompositorischen Gegensätze baute Jetter seine Auswahl auf und das in einer brillanten Spieltechnik. Der Klang der 41 Register entfaltete im Raum eine Nähe, die teils trotz aller musikalischen Wucht nie bedrohlich wirkte und umgekehrt in den leisen Partien sich nie im Hintergrund verlor. So ließ es sich abtauchen in innere Welten, losgelöst vom äußeren Geschehen. Die Atmosphäre vermittelte zugleich ein Gefühl von Geborgen- und Offenheit. Manche hatten die Augen meditativ geschlosssen, andere ließen die Blicke durch das Kirchenschiff wandern. Man könnte meinen, eine Stunde Stillstand für die ewig kreisenden Gedankenströme. Jetter hat sich im Vorfeld gefragt, wie seine Werkauswahl bei Kerzenschein tönen mag. Zum Beispiel Johann Sebastian Bachs Trio über "Allein Gott in der Höh sei Ehr". Ein Stück, das, was den Bau der Orgel und deren Pedaltastenmaße angeht, dem Organisten einiges an Flexibilität abverlangt. "Denn", erklärte Jetter, "die Sitzbank ist fest eingebaut" und so müsse er sich damit arrangieren. Keine leichte Übung. Bachs Trio war es dann auch, das in seiner Fragilität und Klarheit, seinem unentwegten Dahinfließen den Raum in eine intime Andächtigkeit versetzte. Nur beließ es Jetter nicht dabei. Er riss sein Publikum immer wieder heraus aus diesen mytisch durchwobenen Momenten, um mit dem Biberacher Justin Heinrich Knecht und seiern Freien c-Moll-Fantasie wiederum ins laute Programmatische umzuschwenken. Dabei lotete er die gesamte Palette an Klangfarben der Holzhey-Orgel aus und versetzte seine Zuhörerschaft in die unterschiedlichsten Gefühlszustände zwischen selbstvergessenem Dahinschwelgen und rauschhaftem Mitgerissensein. Sigismond Neukomms "Das jüngste Gericht" leitete in seiner auffahrenden Dramatik hinüber zur Romantik und zu Joseph Callaerts' "Symphonie pastorale". Diese beiden Werke überstrahlten in ihrer ausgefeilten Diversität aus Fanfarenauftakt kontra dumpf-dröhnenden Vibrationen, gewaltige Szenarien aus Donnergrollen und Blitzgewitter, bei denen auch der Chorraum sich komplett verdunkelte, aus hellen glockenreinen Obertönen und überbordenen Lobgesängen alles Vorangegangene. Viel Beifall gab es für Jetters atemberaubendes Programm, der nach über 15 Jahren, als er noch Münsterorganist in Salem war, zum zweiten Mal in der Weißenauer Klosterkirche gastierte."

 

 

Freitag, 23. September 2022, 20.30 Uhr

Peter Planyavsky, Wien

 

Der Organist Prof. Dr. Peter Planyavsky und der Registrant Dr. Ulrich Höflacher kurz vor dem dritten Orgelkonzert bei Kerzenschein in Weißenau am 23. September 2022.

 

 

 

 

Foto: Reiner Schuhenn

Wenn eine klangschöne Orgel, ein versierter Organist und die richtige Literaturauswahl zusammentreffen, entfaltet sich eine Sternstunde der Orgelmusik. So auch beim Konzert von Peter Planyavsky. Er bevorzugte Variationswerke, fein abgestimmt auf die herrlichen Klangfarben der Orgel. Dadurch hatte das Rezital etwas Feines, Feierliches und pompöse Klangballungen kamen nur vereinzelt vor. Zu diesem Konzept passte sehr gut die freie Improvisation über das Marienlied „Wunderschön prächtige“, dem nahen „Marienmonat“ Oktober geschuldet. Die Improvisation, mit verhaltenen Klängen und charakteristischen Motiven spielend, war sicher der Höhepunkt des Konzerts. Und mit einer Sonate von dem völlig unbekannten Giuseppe Gherardeschi demonstrierte der frühere Wiener Hochschullehrer und Domorganist, wie erheiternd der katholische Gottesdienst im 18. Jahrhundert war. Als Zugabe ein kurzes Stück von Schubert, mit der Traversflöte 8‘ als Solostimme - bezaubernd schön.

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Sonntag, 7. Mai 2023, 18.00 Uhr

 

Wolfgang Amadeus Mozart: Große Messe in c-Moll für Soli, Chor und Orchester

Johann Sebastian Bach: Kantate "Du Hirte Israel, höre" für Soli, Chor und Orchester

 

Konzertchor Oberschwaben, Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben

Simone Schwark (1. Sopran), Gabriele Hierdeis (2. Sopran), Goetz Philip Körner (Tenor), Hans Porten (Bass)

Leitung: Gregor Simon

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Über folgenden Link gewinnen Sie einen Eindruck von der Arbeit bei der Produktion der CD:

 

https://youtu.be/kn45QC8PVLc

 

Die CD ist beim Kath. Pfarramt Weißenau, Abteistraße 4, zu € 15 während den Bürozeiten erhältlich.

Montag, Dienstag und Freitag 9.00 - 12.00 Uhr

donnerstags 15.00 - 18.00 Uhr

Tel. 0751/61590

 

Eine Rezension von Wolfram Frommlet ist erschienen unter der Kolumne "Kultur erleben" in der Schwäbischen Zeitung Ravensburg vom 22. November 2021.

Hier seine Rezension in Auszügen:

(...) "Weber und Simon verschmelzen zu einem transzendentalen Raum, mit dem Abstand von 1000 Jahren klingt Hildegard von Bingen in minimalistischen Klängen so modern, wie man es bei John Cage oder Karlheinz Stockhausen wieder hört. Zur Zeit von Bingens muss die selbstbewusste Sopranstimme, wie Wiltrud Weber sie singt, eine sensationelle Neuerung gewesen sein. Und verblüffend nah an diesen Räumen, die wie eine Befreiung wirken aus der irdischen Zerstörung, ist Rainer Oleaks 'Lumen' mit der geradezu araischen Klarheit von Wiltrud Weber, mit der sie, hoffnungsvoll, bewegend schlicht, in Ara-mäisch, der Sprache Jesu, 'The Lord's Prayer' in ihrer eigenen Vertonung singt.

Gregor Hübner hat (...) für Wiltrud Weber 'Sei mutig und entschlossen' komponiert, ein überzeugendes Stück feministischer Individualität. Reiner Schuhenn (...) vertonte in seiner "Missa per una voce" eine Theologie der 'Befreiung' von Pathos, von erstickten religiösen Gewissheiten. Da hört man Risse und Herausforderungen, das sind kühne, offene Töne, die Wiltrud Weber zeitgemäß beunruhigend aus Schuhenns moderner Sakralität herausholt. Diese Missa und Webers unprätentiös nüchterne und deshalb so packende Interpretation hat etwas Dialogisches - man möchte darüber reden und nicht weihevoll schweigen. Überraschend, wie Gregor Simon in seiner 'Suite francaise sur Ave Maria' die Holzhey-Orgel spielt - fragile Klangfelder, transparent registriert, bekommt sie für Momente einen geradezu modernen Klang. Simons Kompositionen haben eine zeitgemäße, eine autarke sakrale Ästhetik.

Eine weitere musikalische Entdecckung ist (...) 'Jubilate Deo', in der Fassung des 1744 verstorbenen André Campra, in dessen rokohafter Verspieltheit und spätbarockaler Sinnenfreude verschmelzen Gregor Simon und Wiltrud Weber Orgel und Sopran zu einem freudvollen Schluss in schwieriger Zeit."